Verlags- und Imprintgruppe R. G. Fischer
R. G. Fischer Verlag

Wolfgang Eichhorn

»Freiheit, Frieden, Recht und Einheit
für uns Deutsche, unser Land.«


cover
Beitrag entnommen
aus der Jubiläums-Anthologie
»Im Zaubergarten der Worte«
Ausgabe 2018







Das »Lied der Deutschen« verfasst von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1841 auf Helgoland, besteht aus drei Strophen zu je acht Zeilen. Reichspräsident Friedrich Ebert erhob dieses Lied 1922 zur Nationalhymne. Die Melodie stammt von Joseph Haydn, komponiert 1796/97. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das öffentliche Singen des Liedes in der amerikanischen Zone untersagt. Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Bundeskanzler Kohl bestimmten 1991, dass die dritte Strophe des Liedes die Nationalhymne ist. Sie lautet:

Einigkeit und Recht und Freiheit
für das deutsche Vaterland –
danach lasst uns alle streben
brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
sind des Glückes Unterpfand –
blüh’ im Glanze dieses Glückes,
blühe, deutsches Vaterland!

Die beiden ersten Strophen des Liedes der Deutschen sind weltweit, aber auch in Deutschland heftig kritisiert worden. Auf diese Kritik und auf diese Strophen sei hier nicht eingegangen.

Auch über die oben stehende dritte Strophe haben sich seit 1991 ständig zunehmend kritische Stimmen gemeldet, die hier in Gedichtform zusammengefasst werden:

Freiheit, Frieden, Einheit, Recht
klingen so gereiht nicht schlecht.
Einigkeit bewährt sich nicht,
wenn für sie ein Teufel ficht.
Sie muss raus aus dem Gedicht!
Vaterland klingt ziemlich fein,
Mutter, Heimat müsst’ auch rein!
Wer singt: deutsches Vaterland,
wenn sein Vater nicht bekannt
oder nicht aus deutschem Land?!
Brüderlich lässt viele zaudern:
Schwesterlich, geschwisterlich
scheint vergessen?! Es folgt Schaudern:
Brüder sind oft liederlich,
zueinander fürchterlich.
Warum also brüderlich?!
Raus damit! Welch Unverstand!
Was ist Glück, was Unterpfand?
Was heißt: Blühe, Vaterland?
Blüht’s im Glanz mit Blütentand?
Du erblühst ist wohl gemeint,
schön, gut duftend landesweit:
dort, wo Umwelt, Mensch vereint –
hoffentlich in Ewigkeit.

Diese kritischen Überlegungen zum »Lied der Deutschen« berücksichtigend, entstand in Zusammenarbeit mit HANS LENK unser Deutschlandlied. Seit 1841 sind rund 177 Jahre vergangen, deren Verläufe das Denken der Deutschen in Sachen Freiheit, Frieden, Recht, Einheit, Menschenwürde, Menschlichkeit, Chancengleichheit, Offenheit für Glauben und Leben beeinflusst haben. Quintessenz: Grundgesetz!


Unser Deutschlandlied

Freiheit, Frieden, Recht und Einheit
für uns Deutsche, unser Land –
danach streben wir in Reinheit:
frohgemut mit Herz und Hand!

Gleiche Rechte, Menschenwürde,
Chancengleichheit, Bildung frei –
all das mindert manche Hürde:
steuert Leistungsschübe bei!

Menschlichkeit! Am Frieden weben,
selbstbewusst mit Geist und Hand –
danach lasst uns alle streben:
weltweit und im Heimatland!

Glaube frei und Leben offen,
Grundgesetz: Garant und Band –
alles lässt uns freudig hoffen:
Du erblühst, geliebtes Land!

Wolfgang Eichhorn und Hans Lenk



Arbeit hatten nie zuvor so viele Arbeitskräfte hier.
Dass zugleich die Hungerlöhnezahl stark wuchs, ist keine Zier.

Angeregt von Heinz Kerp




Ein Wort, ein Satz, ’ne kurze Rede
bezaubern oft Gehirn und Herz.
Manchmal folgt auf den Zauber Fehde,
und aus Begeisterung wird Schmerz.

Angeregt durch »Ein Wort« von Gottfried Benn




Solange ich atme, lebe ich,
solange ich lebe, hoffe ich,
solange ich hoffe, liebe ich,
solange ich liebe, bringe ich
Atem, Leben, Hoffnung,
Liebe in die Welt.

Angeregt durch Dum spiro, spero



Die Lehrerin war zum Verlieben,
so dass wir gerne bei ihr blieben
und freudig sangen, lasen, schrieben,
dabei von Neugier angetrieben.
Die Lehrer aber wurden älter
und in der Folge leider kälter:
Schulstunden wurden oft zu Plagen
und waren dann nicht zu ertragen,
weshalb wir manchmal leise schmollten
und hin und wieder hörbar grollten.
Wir taten oft nicht, was wir sollten,
und lernten, was wir lernen wollten.

Angeregt durch »Schule« von Axel Ostmann




Gott ist wer oder was?
Schöpfer des Alls? Wie das?
Schuf er den Urknall und folgend
Billionen getrennte Galaxien,
deren je Milliarden Sterne jedem
Weltraumpunkt entfliehen?
Schuf er das Entstehen, das Leben,
das Vergehen, Sterben und Streben?
Ist er: Entstehen, Vergehen, Entkernen,
Sterben, Leben, Streben und Lernen?

Gott ist wer oder was?
Unser Schöpfer? Wie das?
Ist er das höchste Wesen?
Hilft er uns zu genesen?
Schätzt er edles Denken und Handeln?
Dient er, Böses in Gutes zu wandeln?

Gott ist wer oder was?
Unser Lehrer? Wie das?
Ist er das höchste Geistes-Wesen?
Wenn wir seine Werke lesen:
Schenkt uns das Einblick ins Kleinste bis
Größte des Alls, in dessen Beschaffenheit?
Finden wir dann das Wahre über
Materie, Leben, Seele, Geist und Zeit?
Wissen wir dann: Das All ist unendlich
und existiert in Ewigkeit?

»20-Fragezeichen-Gedicht«, angeregt von
Warnfrid Grams: »Wer oder was ist Gott?«
















Wolfgang Eichhorn: Mathematiker, emeritierter Professor und Leiter des Instituts für Wirtschaftstheorie und Operations Research der Universität Karlsruher (TH), jetzt KIT: Karlsruher Institut für Technologie.

»Unser Deutschlandlied« wurde zusammen mit Hans Lenk verfasst: emeritierter Professor für Philosophie des KIT, Olympiasieger als Mitglied des deutschen Achters bei den Spielen 1960.

Das Gedicht erscheint im R. G. Fischer Verlag gleichzeitig mit der vorliegenden Anthologie in der 3. Auflage des Bandes »1000 der besten 70000 Gedichte, Gebote, Sprüche, Zitate von Aachen bis Zytotoxizität«, herausgegeben von Wolfgang Eichhorn und Gerhard Gnann.